Geschichte

Startschuss für die EX - In Bewegung

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Foto: Meditationsbaum/Holtmann/privat / pixelio.de
Startschuss für die EX-IN Bewegung war ein europäisches Forschungsprojekt (Leonardo da Vinci), in dessen Rahmen Wissenschaftler, Fachkräfte und Psychiatrieerfahrene aus Europa von 2005-2007 Fragen alternativer Psychiatrie erforscht haben. Dabei sollten die Erkenntnisse und Erfahrungen von Psychiatrieerfahrenen in den Mittelpunkt gestellt werden.

Ziele Aufgabenstellungen waren damals:

  1. Im Rahmen des Pilotprojektes werden unterschiedliche Erfahrungen und Konzepte der Beteiligung von Experten durch Erfahrung in Europa zusammengestellt.
  2. Vorhandene Studien über die Auswirkungen der Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen werden verglichen, sowie neue Untersuchungen durchgeführt.
  3. Die Qualifikationssysteme und die Anerkennungsmöglichkeiten der angestrebten Ausbildung in den verschiedenen beteiligten Ländern werden verglichen.
  4. Die Ausbildungsbedarfe von Psychiatrie-Erfahrenen bezogen auf die angestrebte Qualifizierung werden beschrieben.
  5. Geeignete, innovative Ausbildungsmethoden werden beschrieben und entwickelt.
  6. Kernmodule werden entwickelt, insbesondere solche, die geeignet sind das Erfahrungswissen von Psychiatrie-Erfahrenen in Ausbildungs- und Versorgungsprozesse einfließen zu lassen.
  7. Ein Curriculum wird entwickelt, das Psychiatrie-Erfahrenen mit unterschiedlichen Hintergründen eine sinnvolle Fähigkeiten und Wissen bietet, um in den genannten Feldern tätig zu werden.
  8. Jedes beteiligte Land garantiert die praktische Umsetzung (von Teilen) der Projektergebnisse.

Als Ergebnis dieses Projektes wurde ein Weiterbildungslehrgang für Menschen mit Psychiatrieerfahrung entwickelt, das so genannte EX-IN Curriculum.

Psychiatrieerfahrene Menschen werden auf dieser Grundlage seit 2008 deutschlandweit im Rahmen einer systematischen Peer-Ausbildung qualifiziert.

Foto: Treppen/ K.Klusowski / pixelio.deimage
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Foto: Treppen/ K.Klusowski / pixelio.de

Durch den Bildungsträger Focus Bremen, sowie der Uni Klinik Hamburg Eppendorf wurden diese Weiterbildungen zum Genesungsbegleiter erstmals kooperativ angeboten. Maßgeblich für die Entwicklung waren Frau G. Sielaff von der UKE Hamburg, sowie Herr J. Utschakowski von Focus Bremen.

Die Resonanz auf die Kurse war groß. Nachdem die ersten abgeschlossen waren, wurde deutlich, dass zusätzlich Trainer ausgebildet werden mussten. Es entstand das Konzept des „Train the Trainer“.

Ein bedeutender Aspekt für die Entwicklung von EX –IN waren die Erfahrungen der Recovery Bewegung in England.

Die Recoverybewegung hat unter dem EX-IN Label in Deutschland besonderen Aufschwung erhalten.

Was die Recoveryvertreter als gesellschaftliche Kraft eint, ist ihr Widerstand gegen Unheilbarkeitsdogmen und negative Prognosen in der Psychiatrie. Sie bestehen auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise psychischer Störungsbilder, die übergeordnete Sinnfragen für den einzelnen und die Gesellschaft miteinschließt.

Die Leitideen der Recoverybewegung („Fokus auf Genesungserfolge“ und „Autonomie i.S. von Empowerment“) nehmen bei EX-IN einen herausragenden Stellenwert ein. Dies lässt sich an den EX-IN Grundsätzen ablesen:

  1. Jeder Mensch hat das Potential zur Genesung.
  2. Jeder Mensch kann grundsätzlich eigenverantwortlich handeln und
  3. autonome Entscheidungen über entsprechende Hilfeformen treffen.

Politisch motivierte Ex-Inler zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie das Psychiatriesystem auf gesellschaftlicher Ebene verändern wollen. Ziel dabei ist es eine Psychiatrie auf "Augenhöhe" zu fördern. Inclusive Gedanken sollten auch in der Psychiatrie Geltung haben. Dabei setzen sie auf kritisch-konstruktive, kreativ-innovative Gestaltungsspielräume.

Die EX-IN Bewegung lehnt alle Formen von Stigmatisierung (Selbst- und Fremdstigmatisierungen) explizit ab. Damit entfaltet EX-IN auch unmittelbare Wirkung als Motor für gesellschaftliche Inklusion.